Es gilt, ein Optimum zu finden

12.01.2017

Stefan Frefel weiss: Instandhaltung ist eine kostspielige Angelegenheit. Es brauche deshalb durchdachte Konzepte und Methoden, um den Spagat zwischen Kosten, Anlagenverfügbarkeit und Werterhalt zu finden, sagt der Geschäftsführer der Bilfinger Industrial Services Schweiz AG.
Interview: Stefan Kühnis

Wir sprechen mit Stefan Frefel über die aktuellen Entwicklungen im Bereich industrielle Instandhalung – einem Bereich, der sich auch durch die vierte industrielle Revolution derzeit stark verändert.

Bilfinger Industrial Service ist in der Schweiz einer der wenigen Service Provider im Bereich industrielle Maintenance – ist das Outsourcing von Maintenance hierzulande üblich?

Aktuell findet in der Schweizer Wirtschaftslandschaft ein Umdenken statt und das spüren wir. Wir erleben dies durch vermehrte und konkrete Anfragen für Mandate. Der Wirtschaftsdruck besteht überall, für kleine, mittelständige sowie grosse Unternehmen. Sie fokussieren sich vermehrt auf ihre Kernkompetenz und suchern deshalb Partner, welche sie auch in den anderen wichtigen Bereichen weiterbringen, Verbesserungen aufzeigen und gemeinsam die Ziele und die definierten Veränderungen angehen, wie beispielsweise im Bereich Maintenance und Engineering.

Wie unterscheidet sich das Ausland in dieser Frage?

Im Auslaund wurden die Vorteile der Auslagerung von Maintenance-Dienstleistungen sehr früh erkannt. Bilfinger war in diesen Anfängen immer dabei und nahm der schnell europaweit eine Vorreiterrolle ein.

Was bieten diese denn genau an? Wie sieht ihr Portfolio aus?

In der Schweiz bieten wir Dienstleistungen in verschiedenen Bereichen an. In der Maintnenace, unserem Kerngeschäft, bieten wir diverse massgeschneiderte Zusammenarbeitsmodelle, von Routine-Instandhaltungsaufträgen in Form von Einzel- oder Projektaufträgen über Rahmenverträge bis hin zu vollumfänglichen Value Performance Contracts. Dabei basiert unser Vorgehen auf dem Bilfinger Maintenance Concept BMC. Hinzu kommen das Engineering und die Automation, der Rohr- und Anlagenbau sowie der Stahlbau mit Rohrleitungsplanung, Vorfertigung und Montage, die Industrie-Isoliertechnik in den Bereich Wärme-, Kälte-, Schall- und Brand-Schutz. Im Bereich Academy werden verschiedenste Kurse und Schulungen durchgeführt, unter anderem Feuerwehr- und Chemiewehrausbildungen. Dafür steht ein eigenes 13'000 Quadratmeter grosses Trainingscenter mit Schulungsräumen, Brandübungsplatz und vielem mehr zur Verfügung.

Welche Trends erkennen Sie in Ihrer Branche?

Wir sind aktuell mitten in der industriellen Revolution 4.0. UNser Ziel ist klar auch in diesem Bereich eine führende Rolle einzunehmen. Wir sind dabei zu ermitteln, welche digitalen Trends sich mittelfristig etablieren werden, um auch zukünftige Kundenbedürfnisse abzudecken und beratend da zu sein und gemeinsam mit dem Kunden in dem Prozess voranzuschreiten. Deshalb wird auch unser Personal regelmässig geschult und gleichzeitig wird die passende Infrastruktur aufgebaut. Wir denken, dass sich die Digitalisierung auch im Bereich Maintenance sehr rasch weiter etablieren wird. Auch erkennen wir, dass sich viele Produktionsfirmen immer mehr auf ihre Kernkompetenz konzentrieren. Maintenance wird oft als wichtig, aber trotzdem als Nebenprozess betrachtet. Genau hier setzen wir an: bei uns stehen der gesamte Maintenance-Prozess und das Maintenance-Management im Zentrum.

Welche grossen Herausforderungen gilt es zu meistern?

Es gilt ein Optimum zu finden. Instandhaltung ist eine kostspielige Angelegenheit. Es braucht durchdachte Konzepte und Methoden, um den Spagat zwischen Kosten, Anlagenverfügbarkeit und Werterhalt zu finden. Gut ausgebildete Ingenieure, Techniker und Handwerker sind dabei sehr wichtig.

Wie entwickelt sich der Arbeitsmakrt in dieser Branche?

Der Arbeitsmarkt passt sich schrittweise den Anforderungen an. Es ist ja nicht so, dass sich die Industrie über Nacht komplett verändert. Der Arbeitsmarkt hat sich immer den sich verändernden Anforderungen angepasst.

Finden Sie genügend Fachleute auf dem Markt?

Die Frage lautet eher, ob wir genügend gute Fachleute finden, welche unsere Ansprüche erfüllen. Bis anhin ist es uns immer recht gut gelungen, gute und erfahrene Fachlete zu finden. Da unsere Kunden zum Teil in unterschiedlichen Branchen täig sind, sind wir jedoch gezwungen, unsere Mitarbeiter laufend zu schulen und weiter zu entwickeln. Oftmals gehen die Anforderungen im Berufsleben signifikant über die Grundausbildung hinaus. Wir unterstützen daher Mitarbeiter aktiv im Bereich Aus- und Weiterbildung. Bereits mehrere unserer Mitarbeiter haben beispielsweise berufsbegleitend die Ausbildung zum Instandhaltungsfachmann absolviert.

Wie verändern sich die Berufsbilder?

Das ist schwierig zu sagen. Einerseits braucht es Berufsleute, die hochspezialisiert sind, andererseits solche, welche eher Generalisten sind. Viele Systeme sind heute stark vernetzt, digitalisiert und sehr komplex. Dies erfordert auch von den Fachleuten ein vernetztes Denken und Handeln. Da sich die Industrie immer mehr digitalisiert und vernetzt, muss dem auch in der Berufsausbildung Rechnung getragan werden.  

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